Borreliose – Thema in der Region

Borreliose – Thema in der Region

Fast jeder kennt mittlerweile einen Menschen, der es hat oder hatte: Borreliose, eine immer mehr um sich greifende Infektionskrankheit. Eine Modeerkrankung, eine Verlegenheitsdiagnose, Hysterie? Ganz im Gegenteil – wie führende Fachleute annehmen. Infektionen mit Borrelien sind auch außerhalb der Hochrisikogebiete (der Landkreis Passau gehört dazu) zu einem Problem geworden. Fachleute sprechen von 500.000 Neuerkrankungen pro Jahr, die Dunkelziffer wird noch höher eingeschätzt. Diese Zahlen belegen, dass es sich längst nicht mehr um Einzelfälle handelt. Betroffenenverbände fordern seit Jahren eine Meldepflicht, die bisher nur in einigen ostdeutschen Bundesländern Pflicht ist. Ohne diese können keine exakten Zahlen ermittelt werden, das Problem wird weiter heruntergespielt.

Der Übertragungsweg der Borreliose (oder Lyme-Borreliose) durch Zecken (Holzbock, bot. Ixodes ricinus) ist mittlerweile Allgemeinwissen. In den vergangenen Jahren haben die Medien viel zur Aufklärung der Übertragungswege beigetragen. Die Erkenntnis, dass eine seltenere Übertragung durch Mücken und Pferdebremsen stattfinden kann, dringt immer mehr in das Bewusstsein. Widerlegt ist auch die Aussage, dass eine Infektion frühestens nach 12 Stunden übertragen wird, nachdem die Zecke sich festgesaugt hat. Aus dem östlichen Europa wandern Zecken ein, die sich nicht nur abstreifen lassen, sondern aktiv ihren Wirt suchen. Allerdings ist nicht immer bekannt, dass nur ca. 50% der Infizierten das sichere Infektionszeichen, die sog. Wanderröte (Erythema migrans) um die Einstichstelle herum, entwickeln. Eine Infektion wird dadurch häufig nicht bemerkt, z.B. werden die Anzeichen einer leichten Grippe innerhalb der ersten 3 Wochen nach dem Stich nicht in Zusammenhang gebracht. Die Tests auf Antikörper werden häufig zu früh gemacht und sind laut neuesten Studien bis zu 35% falsch (negativ). Die Chance auf die relativ häufig erfolgreiche Behandlung im Anfangsstadium bleibt ungenutzt.


In den kommenden Wochen und Monaten, sofern nicht vom körpereigenen Immunsystem überwunden, kann die Erkrankung, die eine Latenzzeit von bis zu 8 Jahren bis zum Ausbruch haben kann, ihren Lauf nehmen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sich daraus eine chronische Borreliose entwickeln (bereits nach 3 Monaten) mit vielfältigsten und schwer zu diagnostizierenden Symptomen. Gelenkentzündungen, Rheuma und Muskelentzündungen (einschliesslich Herz), Depressionen oder schwerste chronische Erschöpfung (um nur einen sehr kleinen Anteil der Symptome zu nennen) werden nur in Einzelfällen mit einem früheren Zeckenbefall in Verbindung gebracht. Teilweise geht man soweit, eine chronische Verlaufsform vollkommen anzuzweifeln, obwohl ein Therapieversagen trotz Antibiotika an der Tagesordnung ist (zu kurz und zu niedrig dosiert). All dies ist mittlerweile gut dokumentiert. Die häufig gleichzeitig mit dem Zeckenstich übertragenen Co-Infektionen (Bartonellen, Erlichien etc.) werden gar nicht beachtet oder getestet.

Ein durch Umwelttoxine, Schwermetalle, Stress etc. belastetes Immunsystem tut ein übriges und leistet der Erkrankung Vorschub. Latent im Körper schlummernde Viren (die fast jeder Mensch in sich hat, z.B. nach Windpocken) werden aufgeweckt und können zusätzliche Schwierigkeiten machen. Die chronische Borreliose weitet sich im Laufe der Zeit, zum Teil auch schnell, zu einer Multisystemerkrankung aus.

Die Erkrankten können ein Lied davon singen: landauf und landab suchen sie verzweifelt nach ärztlicher Hilfe, die wenigen Spezialpraxen sind hoffnungslos überlaufen und nehmen zum Teil gar keine Patienten mehr auf. Die als Hypochonder behandelten Schwerstkranken verzweifeln und versuchen, sich durch Internetwissen selber zu kurieren. Trittbrettfahrer mit vermeintlichen Wunderkuren machen ihr Geschäft. Eine kenntnisreiche schulmedizinische Behandlung, von einem erfahrenen Therapeuten ausgeführt, sowie ein gute naturheilkundliche Behandlung sind heute Standard für den Erfolg bei der Linderung oder Heilung dieser oft unterschätzten Erkrankung. Eine Behandlung des chronischen Stadiums kann mehrere Jahre andauern und braucht viel Geduld und einen langen Atem.

Die Selbsthilfevereinigungen in Deutschland fordern seit langem mehr Fortbildungsangebote für Ärzte und Entwicklung einer einheitlichen sicheren Diagnostik sowie die Bereitstellung von mehr Forschungsmitteln. Durch die Anerkennung (und Erkennung) und ausreichende Kenntnisse der Behandlung dieser Infektionskrankheit würden die Krankenkassen (und Rentenkassen) entlastet, da die Erkrankung häufig zu langen Krankenständen und Arbeitsunfähigkeit führt.

Nur eine Vermeidung von Zeckenstichen (sowie von Pferdebremsen und Mücken) bietet Sicherheit, da es bis heute keinen Impfstoff gibt. An biologischer Zeckenbekämpfung wird derzeit geforscht, aber das Absuchen nach entsprechenden Aufenthalten im Freien bleibt weiter unerlässlich. Es gibt Berichte, dass ein Einreiben mit unbehandeltem Kokosöl einen gewissen Schutz bieten soll. Die richtige und schnelle Entfernung einer Zecke sowie eine aufmerksame Selbstbeobachtung in den Wochen nach dem Stich ist mehr als wichtig.

Autorin: Alexandra Vogl, Heilpraktikerin, Passau

 

Kommentare (3)

  • Skeptisch

    Ein leider nicht sonderlich hilfreicher Artikel, der nur mal wieder die seit Jahrzehnten übliche und auch empirisch als wirksam bestätigte Impfpraxis in Frage stellt. Wesentlich sinnvoller wäre gewesen, zum Beispiel auf die Risikoverteilung eines Zeckenstiches einzugehen. Der größte Teil der Bevölkerung kommt ohnehin nicht in Kontakt mit diesen Tierchen, eine Impfung ist daher oft nicht nötig. Auch wäre vielleicht interessant gewesen, dass neueste Untersuchungen ergaben, dass anstatt im drei-Jahresrhythms, wie bisher üblich, auch eine Auffrischung in deutlich längeren Intervallen durchgeführt werden kann, da die mit dem Impfstoff erzeugten Antikörper in den meisten Fällen auch noch nach Zeitspannen von 10 Jahren nachgewiesen werden können. Nein, hier im Artikel gibt es keine fachliche Auseinandersetzung, nur die Allheilformel: Impfen ist böse. Pharmafirmen sind böse. Also los, schickt eure Kinder wieder auf Masern-Parys, und dann schaut zu wie sie leiden. Viel Spaß.

  • Skeptisch

    Vorstehender Kommentar war zu einem anderen Artikel, ich weiß nicht wie der hier rein gerutscht ist. Dieser Artikel “Borreliose – Thema in der Region” ist eigentlich recht gut.

  • Vogl Alexandra

    Ich stelle ausdrücklich klar, dass ich kein Impfgegner bin. Der Artikel über das Impfen ist nicht von mir.
    A. Vogl, Heilpraktikerin, Passau

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