Erziehung ist (k)ein Kinderspiel

Supermarktkassen, vor denen sich ein von Trotz geschütteltes Kleinkind kreischend auf dem Boden wälzt, gab es zwar in der Steinzeit noch nicht. Wahrscheinlich haben aber schon die Höhlenkinder morgens ein ohrenbetäubendes Protestgeschrei angestimmt, wenn ihre Mütter es ihnen verweigerten, bei minus acht Grad nur in ihrem kurzärmeligen Ziegenfell-Shirt zum Spielen nach draußen zu gehen. Denn das Streben eines Kindes nach Selbständigkeit und Loslösung ist in seinen Erbanlagen programmiert. Und da wir uns genetisch seit etwa 170 000 Jahren kaum verändert haben, sind die kindlichen Attacken gegen die Bastionen elterlicher Autorität wohl beinahe so alt, wie die Menschheit selbst.

Leider ist jedoch im Gegensatz dazu das Wissen, wie man als Eltern mit dem sich verweigernden Nachwuchs umzugehen hat, noch nicht bis in unser Erbgut vorgedrungen. So dass wir bedauerlicherweise nicht über ein angeborenes Knowhow darüber verfügen, wie man denn beispielsweise ein Kleinkind, das sich tagtäglich standhaft weigert, sich seine Schuhe anzuziehen, von der Vernünftigkeit dieses elterlichen Wunsches überzeugen könnte. Ganz allgemein gesagt: der Versuch, das Kind nach seinen Vorstellungen zu lenken, ist eine knifflige Sache.

 

Kinder denken anders

„Was hast Du dir dabei nur gedacht?“ Dieser Satz, den sich alle Eltern selbst schon haben sprechen hören, ist eigentlich schon der erste Erziehungsfehler. Denn er impliziert, dass kindliches Verhalten nach erwachsenen Maßstäben erklärt und beurteilt werden müsste – oder könnte. Tatsache ist: Kinder denken anderes, haben andere Bedürfnisse, Vorstellungen und eine andere Art und Weise sich auszudrücken.

Das Kind nimmt zunächst nur sich selbst und seine nächsten Bezugspersonen als Teil seiner Existenz wahr. Säuglinge verstehen dabei Eltern nicht als Personen, sondern als „Erfüllungsgehilfen“ seiner Existenz. Erst später entwickeln Kinder ein Bewusstsein dafür, dass andere Menschen auch Gefühle haben, deuten diese aber erst einmal ganz anders. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr beginnt eine Phase, die als „egozentrische Empathie“ bezeichnet wird. Kinder zeigen jetzt sehr wohl mitfühlende und helfende Reaktionen. Aber sie tun dann vor allem das, was sie sich selbst in einer solchen Situation wünschen würden. Sie folgen zum Beispiel der Überlegung: „Wenn ich traurig bin, brauche ich mein Kuschelkissen. Wenn meine Freundin traurig ist, gebe ich ihr mein Kuschelkissen, damit sie getröstet wird.“ Das ist zwar ein sehr anrührendes Verhalten. Aber es ist immer noch keine echte Empathie. Das Kind erspürt sehr wohl den Kummer des anderen. Aber Bedürfnisse, die von den eigenen abweichen, kann es sich noch nicht vorstellen oder verstehen. Studien haben immerhin gezeigt, dass bis zum dritten Lebensjahr empathische Reaktionen und prosoziales Verhalten deutlich zunehmen.

Bis ein Kind aber solche Werte wie Rücksichtnahme, Fairness oder Höflichkeit verstanden und verinnerlicht sind, dauert es noch länger. Viele Eltern kennen das Phänomen: Sie haben in der Sandkiste hundertmal das Danke-Bitte-Spiel gespielt und Sandförmchen unermüdlich hin- und hergereicht, in der Hoffnung, ihr Kind würde sich daraufhin zu einem höflichen Gentleman entwickeln. Doch nein: Bei nächster Gelegenheit reißt ihr Zweijähriger einem anderen Kind wie ein kleiner Spielplatz- Rambo die Schaufel aus der Hand. Man möchte in den Boden versinken und fragt sich: Was haben wir falsch gemacht?

Einem Zweijährigen kann man solches Verhalten noch nicht verübeln, er wird sich weiterentwickeln und sich in einem Jahr in einer solchen Situation vermutlich schon anders verhalten. In den ersten zwei bis drei Jahren leben Kinder noch ganz und gar in der Vorstellung: „Richtig ist, was für mich gut ist.“ Erst langsam gelingt es ihnen, ihre Wünsche mit denen anderer abzustimmen – nicht weil sie „böse“ sind, sondern weil es in der kindlichen Vorstellung einfach nicht angelegt ist, ein Bewusstsein für die Wünsche anderer zu haben. Es ist ihm noch nicht einmal bewusst, dass andere Menschen überhaupt einen eigenen Willen haben. Deswegen ist es für einen 2-3jährigen weder „böse“, noch „gut“, dem anderen ein Spielzeug weg zu nehmen. Es ist einfach ein selbstverständlicher Teil des Verhaltens. Spielzeug sehen, wollen, nehmen, Punkt. Das Kind in dieser Situation zu schimpfen oder gar zu bestrafen stößt auf völliges Unverständnis oder gar Verstörung. Mit fortschreitendem Alter bilden sich beim Kind jedoch deutlichere Antennen für die Mitmenschen aus und auch die Empfänglichkeit für so genannte „induktive“ Erziehungsmaßnahmen. Das bedeutet, dass Eltern ihren Kindern immer wieder die Konsequenzen ihrer Verhaltensweisen für andere Personen verdeutlichen und sie anregen, sich in andere hineinzuversetzen. Je nach Alter des Kindes sieht das unterschiedlich aus. Bei einem kleineren Kind beginnt es mit dem Hinweis: „Wenn du deinen kleinen Bruder weiter schubst, wird er hinfallen.“ Bei einem schon etwas größeren Kind könnte sich das so anhören: „Was würdest du empfinden, wenn dein bester Freund dir dein Lieblingsspielzeug weggenommen hätte?“ Oder: „Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du traurig wärst und die anderen Kinder dich einfach nicht beachten würden?“

Diese Erziehungspraktik scheint nach aller Erkenntnis langfristig weit mehr Wirkung zu zeigen als alles Strafen und Schimpfen. Und sie trägt auch stärker dazu bei, dass Werte wie Rücksichtnahme, Mitgefühl oder auch Höflichkeit von Kindern verinnerlicht werden – und nicht nur durch Druck erzeugt. Wie erfolgreich Eltern damit sind, hängt aber auch von ihrer eigenen Einfühlsamkeit ab. Gelingt es ihnen, solche Fragen und Hinweise dem Alter und der Situation angemessen „rüberzubringen“, ist ihr Tun wahrscheinlich sehr wirksam. Wer aber einem Dreijährigen während eines Sandkastenstreits schon komplizierte moralische Sachverhalte erklären will – nun, man ahnt, es klappt nicht.

 

Problemkinder – Problemeltern

Kinder sind der Spiegel des Verhaltens ihrer Bezugspersonen. Ein Kind, das sich in bestimmten Dingen als „schwierig“ zeigt, hat es in der Regel mit Eltern zu tun, die dieses, oder ein in den grundsätzlichen Zügen vergleichbares Verhalten vorleben. Kinder lernen weniger durch Belehrung und Worte, sondern vielmehr durch Erfahrung, Vorbild und Imitation. Sie merken: Papa nimmt mich in den Arm und tröstet mich, wenn mein Turm aus Bauklötzchen kaputt gegangen ist. Dieses Rezept ist jedoch eine Türe, die nach beiden Seiten schwingt. Positive Muster werden übernommen, negative aber auch. Besonders verhängnisvoll für die kindliche Entwicklung ist mangelnde Konsequenz und Zuverlässigkeit.

„Kinder brauchen Grenzen“ – dieser Satz ist eine Binsenweisheit der Erziehung. Wie wichtig dies ist, versteht man aber erst dann, wenn man die kindlichen Denkmuster im Hinblick auf Regeln versteht. Verbote, die einmal ausgesprochen, immer wieder mal lockerer, mal weniger locker gehandhabt werden, sind katastrophal, denn sie liefern dann keinen Rahmen mehr, an den man sich halten kann. Kinder sind genetisch dazu programmiert, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, Grenzen auszuloten und ihre Selbstständigkeit – und damit ihr Selbst- Wert-Gefühl, sowie ihr Selbst-Bewusstsein – zu erfahren. So wie junge Hundewelpen sich balgen, kämpfen, und ihre Stellung im Rudel austesten, so stellen auch Kinder immer wieder ihre Position in der Familie in Frage und testen die Grenzen durch ihr Verhalten aus. Sind diese Grenzen gefestigt, so liefert man dem Kind einen sicheres Spielfeld, einen vertrauensbildenden Rahmen, innerhalb dem es sich „richtig“ bewegen kann. Es lernt sein Verhalten innerhalb der Familie einzuschätzen.

Werden Grenzen und Verbote jedoch „nach Tagesform“ mal gelockert und mal strenger gehandhabt, verliert das Kind jegliche Orientierung und jegliche Differenzierungsmöglichkeit. Gestern habe ich es getan, und es passierte nichts, heute wird es für dasselbe Tun geschimpft – morgen wieder nicht. Die Folge ist nicht nur ein Kind, das „nicht gehorcht“, sondern vor allem ein Kind, das kein Vertrauen in seine eigenen Handlungen entwickeln kann. Es weiß schlichtweg nicht, ob es sich noch im „Gut“ oder schon im „Böse“ befindet. Es wird somit Strategien entwickeln, um sich und seine Handlungen abzusichern: Lügen, Täuschen, Geheimniskrämerei, Vertrauensverlust zu den Eltern. Eltern, die keine klaren Grenzen setzen, halten sich oft für „tolerant“ und bewerten dieses Verhalten insgeheim als positiv, denn sie setzen mangelnde Konsequenz gerne mit Eigenschaften wie „nicht so streng“ gleich – man „kann doch ab und zu mal was durchgehen lassen“. Tatsächlich ist dies für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung katastrophal, denn das Kind wird die „toleranten“ Eltern als „launisch“ und „willkürlich“ empfinden, die Verbote als „schikanös“ – denn sie werden nur streng gehandhabt, wenn das Elternteil „schlecht drauf “ ist.

 

Vereinbarungen

Regeln und Grenzen sind Vereinbarungen. Werden sie eingehalten, folgt Lob, werden sie übertreten, muss eine angemessene Sanktionierung erfolgen, da ansonsten die Regeln gegenstandslos werden. Wird in der Familie in einem positiven, liebevollen Umgang miteinander die Einhaltung von Regeln vorgelebt, so werden dies die Kinder instinktiv in ihr Verhalten übernehmen. Konsequente Eltern haben „gehorsame“ Kinder. Gehorsamkeit ist jedoch nur die Interpretation der Erwachsenensprache und des Erwachsenendenkens, in Wirklichkeit hat dies mit „Gehorsam“ im Sinne von Befehlsgewalt und Angst vor Strafe nichts, aber auch gar nichts zu tun. Die Kinder kopieren lediglich das Verhalten der Eltern. Konsequente Eltern tun nichts weiter, als sich an Vereinbarungen zu halten – im positiven, wie auch im negativen Fall. Diese Dualität zu erkennen ist wichtig, denn konsequent zu sein bedeutet nicht nur, Verbote zu sanktionieren – dies wäre dann „streng“.

Konsequenz, vor allem auch in den positiven Dingen, zu zeigen ist ein elementarer Liebes- und Vertrauensbeweis der Eltern gegenüber dem Kind. Es bedeutet, Versprechen auf jeden Fall zu halten. Wenn dem Kind versprochen wurde, dass man am Wochenende gemeinsam Fußball spielen würde, so ist dies für das Kind unter Umständen ein Ereignis, auf das es sich tagelang freut. Dieses Versprechen zu brechen ist ein genereller Vertrauensbruch von unschätzbarer Bedeutung. Häufen sich solche Enttäuschungen, so muss man sich nicht wundern, wenn das Kind schließlich gegebenen Versprechen wenig Bedeutung beimisst – und dieses Verhalten auch selbst annimmt. Es wird weder die Aussagen der Eltern respektieren, noch sich an eigene Aussagen gebunden halten. Was es durch die Eltern als Lebenserfahrung auf diese Weise mit auf den Weg bekommt ist, dass das „Wort“ nichts gilt. Langzeitstudien belegen eindeutig, dass Kinder, die den Wert von Vereinbarungen erlernt haben, im späteren Leben erheblich glücklicher und auch erolgreicher in jeder Hinsicht sind. Nicht wegen der vielgepriesenen „Disziplin“, sondern auch wegen grundsätzlicher Charaktereigenschaften: Zuverlässige Menschen, auf die man sich verlassen kann und die ihre Vereinbarungen einhalten – und diese Eigenschaft auch an anderen erkennen – werden als Freund, Lebenspartner, Mitarbeiter oder Geschäftspartner stets erfolgreicher, angesehener und beliebter sein, als andere.

 

Erfolgsdruck und Behütungszwang

Ein großer und immer wieder gemachter Fehler der Eltern ist es, Kindern schon während des Kindergartens und der frühen Schulzeit, sogar bis hinein ins Jugendalter, ihren Erfolgswillen aufzuzwängen. Die eigenen Kinder sollen schlauer, braver, schneller, erfolgreicher und in jeder Hinsicht besser sein als andere. Was nach außen und meist auch vor sich selbst oft als gutwilliges „Fördern“ verkauft wird, ist nichts anderes als ein gezieltes Fordern. Dabei wird das Kind als Instrument zur Selbstverwirklichung gesehen. Gerade bei Müttern, die durch die Schwangerschaft eine eigene Verwirklichung im Berufsleben und im sozialen Umfeld aufgegeben haben – oder aufgeben mussten – ist der Zwang, sich durch „Musterkinder“ das schmerzlich vermisste soziale Profil und das verlorene Selbstwertgefühl wieder zu erkämpfen, häufig stark ausgeprägt. Da wird bereits im Kindergarten gewetteifert, welches Kind früher zählen kann, wer zuerst seinen Namen schreiben kann und auf dem Schulhof der Grundschule werden Noten verglichen. Später müssen die Kinder Kurse besuchen und Hobbys betreiben, die ein möglichst hohes Sozialprestige versprechen. Klavierunterricht, Ballet und Violine stehen ganz hoch im Kaffeekränzchenkurs und setzen andere Eltern unter den Zugzwang „nachziehen“ zu müssen.

Was man den Kindern damit antut ist laut langjähriger Studien für deren tatsächliche Entwicklung in den meisten Fällen hinderlich. Zwar werden gewisse schulische Fertigkeiten früher erlernt, wichtige soziale und kreative Kompetenzen jedoch zu einem Zeitpunkt unterdrückt, zu dem sie persönlichkeitsbildend sind. Oftmals wird argumentiert, dass die Kinder „ganz alleine lernen wollen“, dies ist in der Regel jedoch nicht korrekt. Die Kinder wollen vielmehr „gefallen“, da sie aus den anfänglichen „Lernspielen“ und der freudigen oder enttäuschten Reaktion der Mutter auf richtig oder falsch gelöste Aufgaben ihr Selbstwertgefühl definiert haben. Der Selbstwert ist also abhängig von der Bestätigung durch andere. Das Kind hat die Botschaft verinnerlicht, dass es von Mutti oder Vati „mehr geliebt“ wird, wenn es seinen Namen schon schreiben kann, wenn andere Kinder noch mit Bauklötzchen spielen. Nur, dass das Spielen mit den vermeintlich stupiden Bauklötzchen und das Streiten um Spielzeuge Eigenschaften wie Kreativität, Problemlösungsstrategien und soziale Kompetenz fördert, während ein zu früh – wenn auch höchst subtil und teilweise nicht einmal absichtlich – erzeugter Erfolgsdruck genau diese Eigenschaften gezielt unterdrückt.

Dass Streit – auch mit körperlichen Mitteln ein sehr wichtiges Element des Ausdruckes bei Kindern ist, wird oftmals auch durch die erwachsene Sichtweise und Wertung falsch interpretiert. Zwei- und Dreijährige, die sich um ein Spielzeug rangeln, Kinder, die auf dem Schulhof raufen sind normal. Gerade in der heutigen Zeit wird das Thema „Gewalt“ schnell als böser Dämon stilisiert, den es aus dem kindlichen Verhalten zu exorzieren gelte. Es ist jedoch im Verhalten des Kindes, insbesondere bei Buben, angelegt, ihre Stellung in der sozialen Gemeinschaft auch auf der körperlichen Ebene zu definieren. Das Problem dabei ist wiederum viel weniger die Tatsache, dass kleinere Rangeleien statt finden, sondern dass dies durch die Erwachsenen, meistens die Eltern, interpretiert wird. Kinder können raufen und dennoch am nächsten Tag die besten Freunde sein. Kinder haben in der Regel auch keinerlei Probleme damit, nicht der „Stärkste“ in der Klasse zu sein, nur die Eltern haben dieses Problem. Kinder versuchen sich in ihrem Umfeld zu orientieren und ihre Stellung in diesem Umfeld heraus zu finden. Kleinere, harmlose Balgereien sind durchaus nützlich für die Persönlichkeitsentwicklung, und es spielt für die spätere Rolle im Leben nicht die geringste Rolle, wer aus einer Sandkastenschubserei als „Sieger“ hervor geht. Wichtig ist vielmehr, „körperliche Selbstbestimmung“ und „Gewalt“ voneinander zu trennen. Gewalt ist niemals positiv, sie dient auch nicht zum handfest-spielerischen Erwerb sozialer Kompetenz, sondern hat destruktiven Charakter. Gewalt ist von harmlosen Raufereien leicht zu unterscheiden, denn sie erfolgt vertikal: von oben nach unten. Gewalt ist immer eine Zurschaustellung von Macht und ist Selbstzweck. Dies gilt quer durch alle Altersgruppen und quer durch alle Ausdrucksformen der Gewalt.

Wichtig ist diese Differenzierung, weil es den Eltern oder den Aufsichtspersonen den Zeitpunkt des Einschreitens und das Maß der Sanktionierung des groben Verhaltens vorgibt. Geht es um ein Spielzeug, um das sich zwei Kinder streiten und schubst eines davon das andere, so sollte man die Streithähne dazu ermuntern das Spielzeug gemeinsam zu benutzen und den Konflikt nicht künstlich dramatisieren. Geht es dem einen Kind aber gar nicht darum, das Spielzeug zu bekommen, sondern nur darum zu zeigen, dass es über die Macht verfügt, es ihm wegzunehmen, wann immer es will, dann sollte erzieherisch auf dieses Verhalten eingewirkt werden – und das Signal sehr ernst genommen werden.

Auf keinen Fall aber sollte ein Kind schon im Frühstadium eines aufziehenden Streites um ein Spielzeug die Schützenhilfe eines Elternteils bekommen. Jedes Kind muss lernen, Konflikte erfolgreich zu bewältigen, ob es nun die Verteidigung des Spielzeuges ist, oder aber der Umgang mit der Erfahrung des Verlustes. Idealerweise sollte man die Kinder dazu ermutigen den Streit mündlich auszutragen und ihnen so eine gewisse „Streitkultur“ bei zu bringen, anstatt sich vor sein Kind zu werfen und die „Sache für es zu regeln“. Diese Erfahrungen sind essentiell für das Selbstbewusstsein des Kindes – und sein späteres Verhalten als Erwachsener in Konfliktsituationen wird maßgeblich durch diese frühen Erfahrungen geprägt. Kinder, die vor gewissen Konflikten innerhalb ihrer sozialen Gruppe behütet werden, neigen dazu im späteren Leben unselbständig, entscheidungsschwach und von Minderwertigkeitsgefühlen belastet zu sein.

Kinder zu erziehen ist eine Aufgabe, die vielen Eltern manchmal über den Kopf zu wachsen scheint. Doch in Wirklichkeit ist es halb so schlimm und es gibt ein großes Patentrezept: Nicht versuchen aus den Kindern etwas Besonderes zu „machen“, sondern stattdessen den kleinen Seelen selbst etwas Besonderes vorzuleben. Wer selbst zu sich, zu seinen Mitmenschen und seinen Kindern aufrichtig, zuverlässig, konsequent liebevoll (nein, kein Komma vergessen), fleissig, zugänglich und ehrlich ist, der wird ganz wie von selbst wahre „Bilderbuchkinder“ gross ziehen.

 

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