Ist Selbstverteidigung sinnvoll?

Der Wunsch nach Sicherheit vor körperlichen Übergriffen steigt. Es mag mit der zunehmenden Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft zusammen hängen, jedenfalls sind auch die Angebote, sich durch Kurse vor Übergriffen zu schützen, so zahlreich und vielschichtig wie nie zuvor. Nicht selten können diese Angebote ihre Versprechen jedoch nicht halten und wiegen den Teilnehmer in trügerischer Sicherheit.

Kurse für Frauen werden relativ stark nachgefragt, seltener findet man Angebote speziell für Männer. Gewalt gegen Männer ist in der Regel auch anders motiviert. Wo bei Frauen der Überfall und die sexuelle Nötigung mit „Grapschen und Antatschen“ die üblichen Szenarien darstellen, so ist es bei Männern der so genannte „Ritualkampf “, dabei geht es einfach darum, dass ein „Aggressor“ mit meist geringem Selbstwertgefühl jemanden sucht, den er „fertig machen“ kann, um sich hinterher besser und stärker zu fühlen. Diese beiden Arten eines Übergriffes unterscheiden sich hinsichtlich der Motivation des Angreifers und ihres jeweiligen Verlaufs. Beiden gemeinsam ist allerdings, dass der Angreifer wahrscheinlich Über die grössere Kraft verfügt, oder aber es handelt sich sogar um zwei oder mehrere Angreifer.

Die zum wirksamen Selbstschutz eingesetzten Techniken und Bewegungskonzepte müssen somit darauf ausgelegt sein, gegnerische Kraft zu umgehen. Abwehrtechniken sollten auch mit geringem Krafteinsatz funktionieren, ausweichen und Kräfte ableiten zu können, heisst die Devise. Die eingesetzten Bewegungsmuster sollten einen hohen Eigenschutz beinhalten und es dürften nur einige wenige und sehr direkte Grundtechniken sein, mit denen wirkungsvoll reagiert wird. Eine zu grosse Anzahl oder zu komplexe, angeblich „massgeschneiderte“ Techniken, führen im Anwendungsfall nur zu Verzögerungen bei der Entscheidung, zu Verwirrung und zu einem Verlust von Reaktionszeit. Eine Technik für den Ernstfall sollte nur 1 bis maximal 2 Teilbewegungen enthalten. Je komplizierter, desto mehr Fehlerquellen. Die Beschränkung auf wenige, direkte und perfekt sitzende Aktionen bringt den Erfolg.

Die Fähigkeit zur Selbstverteidigung gegen jeden möglichen Gegner in jeder denkbaren Situation erfordert taktisches Wissen und hohes technisches Können. Alle gelernten Techniken müssen bis zur Perfektion eingeübt sein. Zudem muss eine Trainingsmethode vorhanden sein, durch die das reflexartige Reagieren im Ernstfall geschult wird. Dass dies nicht an 10 Wochenenden gelernt werden kann, leuchtet ein. Doch wozu soll man eigentlich Überhaupt jahrelang Selbstverteidigung trainieren, wenn man es vielleicht doch nie braucht?

Die Antwort: Zum Spass und für die Gesundheit. Selbstverteidigungstraining stellt den Körper hinsichtlich Koordination, Gleichgewichtssinn, Geschicklichkeit und Motorik vor höchste Herausforderungen. Beim Erlernen von kämpferischen Bewegungsabläufen entwickeln sich neue Nervenverbindungen im Gehirn und im ganzen Körper. Die Körperwahrnehmung, Körperspannung und Tiefensensibilität steigt exorbitant – gerade die Tiefensensibilität, also das präzise Bewusstsein darüber, an welcher Position im Raum sich jedes einzelne Körperteil befindet ohne es sehen zu müssen, ist auch im Alltag von grossem Nutzen. Ergänzt mit Kraft- und Konditionselementen ergibt sich daraus ein Programm für umfassende Fitness. Im Unterschied zu anderen Trainingsmethoden hält Selbstverteidigungstraining allerdings noch einen ernormen Bonus parat, und das ist der Gewinn an Selbstvertrauen und Souveränität. Das Erlebnis, unter höchstem körperlichen und psychischen Stress besonnen und korrekt reagieren zu können und die Fähigkeit, mit negativen Kräften locker umgehen zu können, vermitteln im Alltag Gelassenheit und Sicherheit. Damit liegt der greifbarste Nutzen primär in der persönlichen „Selbstverteidigung“ gegen negativen Stress und Druck im täglichen Leben. Einfach mal ausprobieren!

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