Schönheit mit Weitblick

Dr. Robert Schachinger, Facharzt in Ried für ästhetischplastische Chirurgie, spricht im PAparazzi-Interview über Mittel und Möglichkeiten und den medialen Sensationswahn

Dr. Robert Schachinger ist ein weit gereister Mann. Sein Fachgebiet ist die ästhetische, plastische und rekonstruktive Chirurgie, und in diesem hat er sich vorzugsweise dort weiter gebildet – und tut dies noch heute – wo man über die längsten Erfahrungen verfügt, oder aber die umfangreichsten Eingriffe vornimmt. Südamerika, USA und Nepal sind Stationen seines Werdegangs, die ihm bis heute in seiner Praxis in Ried einen erheblichen Vorsprung verschafft haben.

paparazzi: Herr Dr. Schachinger, das Interesse an so genannten Schönheitsoperationen ist höher als je zuvor, damit wuchs auch das Angebot – gleichzeitig aber auch die Verunsicherung. Sie bieten als Facharzt für plastische Chirurgie von der Botoxbehandlung über Straffungsoperationen bis hin zu Brustvergrösserungen eine umfassende Palette an ästhetischen Korrekturen an. Welche Möglichkeiten, sich sein möglichst unverbrauchtes Aussehen zu bewahren – oder zu verbessern – gibt es?

Dr. Schachinger: Nun, zunächst muss man erst einmal zwischen der konservativen Therapie und der chirurgischen Therapie unterscheiden. Bei der konservativen Therapie versucht man durch chemische, physikalische oder pharmazeutische Maßnahmen das Gewebe soweit wie möglich zu straffen, zu unterfüllen oder dergleichen. Da gibt es eine unglaubliche Vielzahl von Verfahren. Der große Fehler ist es, an diese Verfahren mit einer zu großen Erwartungshaltung heran zu gehen und zu glauben, dass diese Verfahren allein dadurch schonender sind, weil nicht „geschnippelt“ wird.

paparazzi: Was bedeutet das?

Dr. Schachinger: Zunächst einmal vollziehen sich die so genannten nichtinvasiven Straffungsmethoden im Ergebnis nur in Nuancen des Erscheinungsbildes der Haut. Und zweitens werden auch bei diesen Verfahren die Kollagenstrukturen mitunter erheblich belastet. Auch die konservativen Therapiemethoden stellen jeweils einen Eingriff dar, nur weil man dabei nicht blutet, heißt es nicht, dass es in der Haut keine Spuren hinterlässt. Man kann die Haut auch kaputt therapieren. Es ist ein therapeutisches Gesamtkonzept gefragt, welches das Ziel vor der realistischen Betrachtung der Möglichkeiten, des Aufwandes und der Langzeitprognose im Ganzen umfasst. Wir werden alle nicht jünger, das Alter holt uns früher oder später ein. Wenn ich heute eine Straffung durchführe, muss ich mich fragen, ob diese Maßnahme in zwei, drei oder fünf Jahren immer noch zufrieden stellend ist, oder ob sich vielleicht ein momentanes Ergebnis in der Zukunft als zu teuer erkauft heraus stellt. Wenn man es richtig macht, so ist die operative Therapie mitunter sanfter als eine konservative Behandlung.

paparazzi: Wie kann ein chirurgischer Eingriff sanfter sein?

Dr. Schachinger: Es kommt immer darauf an, was man macht und wie man dabei vorgeht. Wenn man heute eine Gesichtsstraffung oder eine Brustvergrösserung vornimmt, so bedient man sich als fortschrittlicher Behandler moderner Verfahren. Früher wurden solche Eingriffe unter Vollnarkose durchgeführt, heute kombiniert man eine Analgosedierung mit der Verwendung von Tumeszenzlösungen. Analgosedierung bedeutet, den Patienten in einen leichten Dämmerzustand zu versetzen, bei dem alle Kreislauffunktionen und Eigenreflexe wie Schlucken und Atmen vollständig erhalten sind. Typische Narkoserisiken können damit ausgeschlossen werden. Mit der Tumeszenzlösung wird die eigentliche Schmerzbetäubung ermöglicht, gleichzeitig trennt diese Lösung, meistens eine Kochsalzlösung mit verschiedenen gelösten Medikamenten die zu operierenden anatomischen Schichten voneinander, zum Beispiel Unterhautfettgewebe von der Bindegewebsschicht darunter. Diese Trennung ist völlig unblutig, bei der gesamten Operation fließt kaum ein Tropfen Blut. Deswegen kommt es auch nicht zu Blutergüssen oder blauen Flecken. Macht man es gescheit, sieht man es hinterher auch nicht. Eine gute Operation sieht im Ergebnis aus wie nicht operiert – eher wie wenn man gerade aus dem Urlaub kommt: frischer, entspannt, verjüngt – aber nicht „geliftet“. Wir wollen ja keine amerikanischen Gesichter machen. Und ganz besonders wichtig ist eben auch ein vorausschauendes ästhetisch-plastisches Konzept. Ich muss wissen, was die Schwerkraft in ein paar Jahren mit meiner heutigen Massnahme tun wird, und dies in meine Konzeption einbeziehen.

paparazzi: Frisch, entspannt, unsichtbar verjüngt – das hört sich ja an wie ein Wellnessurlaub?

Dr. Schachinger: Für die Seele auf jeden Fall, denn unser Wohlbefinden und Selbstwertgefühl ist ja durch die Ideale aus Print und TV eng an unser Aussehen geknüpft. Auch das subjektive Fitnessempfinden ist unmittelbar nach einer derartigen OP meistens sehr gut. Die Einschnitte sind heutzutage so winzig, die Tumeszenz verhindert Blutungen oder blaue Flecken, der Verzicht auf Narkotisierung bedeutet keine Übelkeit oder Kreislaufprobleme mehr. Die Leute gehen nach der OP sofort wieder nach Hause. Problematisch ist es allerdings, wenn die Patienten glauben, dass sie sofort wieder alles tun können, nur weil sie sich so gut fühlen. Auch wenn man es von außen nicht sieht, so hat es doch einen Eingriff gegeben, der verheilen muss. Die OP-Techniken sind da mittlerweile weiter entwickelt als die Vernunft mancher Patienten: Man muss dem Körper Zeit geben zu heilen, ganz gleich wie fit man sich fühlt. Es braucht 14 Tage Schongang, hält man sich daran, gibt es auch keine Probleme danach.

paparazzi: Wie wird man zu einem guten Chirurgen in Ihrem Bereich?

Dr. Schachinger: Indem man viel operiert und sich möglichst viele Methoden anschaut. Man schaut Kollegen zu, schaut dort und dort, lernt dieses und jenes kennen. Irgendwann schliesst sich der Kreis und man erkennt Gemeinsamkeiten, Strukturen und Konzepte, lernt Gutes von Unnötigem zu trennen. Wenn man sich wirklich weiter entwickeln will, wird man auch besser. Am meisten lernen – im Guten, wie im Schlechten – kann man da von den Südamerikanern und in den USA, da man dort einfach schon seit Jahrzehnten plastische Chirurgie betreibt. Sehr prägend für mein persönliches Verständnis war auch meine Zeit in Nepal. Dort wurden zum Teil 30 Operationen an einem Tag durchgeführt, da baut sich in wenigen Monaten ein Erfahrungsschatz auf, den man sich hierzulande manchmal zeitlebens nicht erarbeiten kann. Aber nicht nur die reine Quantität, auch die Erfahrung zu machen, andere Gesichtsformen – Asiaten sehen anders aus als Europäer – zu operieren war für mich sehr nützlich, das Verständnis über die Entstehung von physiognomischen Formen erweitert sich erheblich.

paparazzi: Sie sprachen die Schönheitsideale an, die durch die Medien so stark präsent sind. Tatsächlich ist es ja so, dass einem heutzutage Glauben gemacht wird, man müsse als Frau aussehen, wie ein 19-jähriges Topmodel auf dem Cover eines Modemagazins und als Mann auch jenseits der 50 noch ein knallhartes Sixpack haben. Wie wirken sich diese Vorstellungen auf die Art der Anfragen Ihrer Patienten aus?

Dr. Schachinger: Ich glaube, dass die Geilheit auf Sensationen und Superlative, die die heutige Medienkultur dominiert, uns langfristig kaputt macht. Wenn das Irreale, das Künstliche, die Sensation und der Superlativ zum öffentlichen Ideal gemacht wird, dann ist die Wirklichkeit irgendwann nichts mehr wert. „Normal“ wird dann als „hässlich“ empfunden – eine gefährliche Entwicklung, die wir alle unbedingt ablehnen sollten. Es ist schön, wenn es heute Möglichkeiten gibt, Zeichen des Alterns zu vermindern und der natürlichen Schönheit durch kleine Hilfestellungen zu neuem Glanz zu verhelfen, aber man sollte nicht versuchen, sich in einen völlig anderen, künstlichen Menschen zu verwandeln. Es soll natürlich und echt aussehen. Gut ist es, wenn man es nicht sieht und wenn es auch in ein paar Jahren noch passt.

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