Vegetarische Fitness-Sportler

Oft habe ich mich gefragt woher das Steak auf meinem Teller wohl stammen mag, was hat es für einen Weg hinter sich? Ganz ehrlich: Haben Sie sich das noch nie gefragt? Noch nie spekuliert, ob das Burger-Inlay als Kuh schon mal die Sonne erblickt hat?

Fragen genug, um einmal etwas nach zu bohren. Kann man ohne Fleischverzehr vier mal pro Woche in den Fitnessclub gehen, ohne seine stolze Brust oder den schwellenden Bizeps zu verlieren? Habe ich doch selbst knapp 20 Jahre geglaubt, mehr Fleisch bringe mehr. Je roter umso besser. Schließlich brauchen wir ja Aminosäuren. Nach einiger Zeit des Nachforschens stellte ich ganz verwundert fest, dass sogar Cory Everson (ehemalige Ms. Olympia), Albert Beckles (Bodybuilding-Legende aus Barbados) und auch Bill Pearl (Bodybuilding-Champion in den 50er und 60er Jahren) vegetarisch leben. Allesamt Pioniere und absolute Vorzeige- Fitnesssportler bis ins hohe Alter.

Es gibt Befunde, bei denen man fleischessende mit vegetarischen Sportlern verglichen hat, erstaunlicherweise gab es keinen bedeutenden Unterschied bei den Kreatinmessungen. Lange glaubte man, dass ohne den Konsum von tierischen Produkten kein Kreatinexogen zugeführt werden könnte. Wenn man bedenkt, dass der Muskel ohnehin aus dreiviertel Wasser besteht, sollte es doch einfach sein, seinen Proteinbedarf über Soja, Hülsenfrüchte, Bohnen, Nüsse und co. zu decken.

Glauben Sie nicht immer an die Vorgaben einschlägiger Hochglanzmagazine. Bedenken Sie, dass darin ausschließlich die Besten der Besten dokumentiert werden. Bedenken Sie Ihr genetisches Limit. Dass man dabei seinen Energiebedarf mit langsamen Kohlehydraten decken sollte, ist selbstverständlich. Ein Verzehr von Junkfood oder vielen Einfachzuckern und der damit einhergehende Insulinanstieg wäre bei der vegetarischen Ernährungsform sehr kontraproduktiv. Kombinieren Sie mit sehr viel frischem Obst und Gemüse und vergessen Sie nicht, immer genügend zu trinken. Eher einen Liter mehr als zu wenig.

Ich möchte niemanden dazu auffordern, auf sein Fleisch zu verzichten, wohl aber, etwas weniger zu konsumieren und auch öfter mal in den Bioladen seines Vertrauens zu gehen. Wir haben alle etwas davon. Die Fleischindustrie wird umdenken müssen. Und wir, die Konsumenten, werden vielleicht ein paar Euro mehr für unser Schnitzel berappen müssen. Ich selber bin zwar nach wie vor Carnivore, aber die Redewendung „Fleisch macht stark“ werde ich nie mehr vorbehaltlos in den Mund nehmen.

Auch möchte ich betonen, dass man nie sagen kann, wie der einzelne Sportler auf eine Umstellung reagiert. Das muss letzlich jeder für sich selbst ausprobieren. Eventuell profitiert man von neuer Lebensenergie oder hat zumindest ein besseres Gewissen, wenn man nicht immer auf zweifelhafte Fleischquellen vom Discounter zurückgreifen muss. Einfach mal vier Wochen ausprobieren. Hin und wieder eine gewisse Zeit fleischlos zu leben, wird sich nicht negativ bemerkbar machen. Einen Versuch ist es Wert.

Wer aber noch Zweifel hat, kann sich ja ein Proteinprodukt auf Soja- oder Reismilchbasis besorgen. Viel Mut und Entschlossenheit bei der Umsetzung!

Autor: Heimo Lenzbauer, Inhaber des Bodyfit Passau, Fitnesstrainer und Ernährungsberater

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