
Können Kinderaugen nur noch leuchten, wenn sich ein Computerbildschirm darin spiegelt?
Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit kommt sie wieder, die Zeit der Spielwaren für die Kleinen und die Kleinsten. Für Eltern und Großeltern ist das Beschenken der Kinder oftmals das Wichtigste an Weihnachten überhaupt. Lachen und Leuchten in den Kinderaugen zu sehen und sich damit zurück zu erinnern, an die eigene Kindheit, das ist es, was uns allen das Herz aufgehen lässt. Doch Kinderaugen zum Leuchten zu bringen, das ist heutzutage nicht mehr so einfach. Der Weg in das Spielwarenhaus ist oft mals der Weg in die Ratlosigkeit. Wenn man überhaupt noch gut sortierte Spielwarenläden finden kann.
An vielen Orten haben langjährige Spielwaren- Traditionsgeschäfte längst ihre Pforten für immer geschlossen, an anderen Orten haben sich Megastores angesiedelt und haben trotz umfassendem Angebot Mühe, ihre Kosten zu decken. Namhafte Hersteller von Qualitätsspielzeug gehen bankrott oder verlagern ihre Produktpalette in die virtuelle Welt. Märklin, der Produzent der berühmten Modelleisenbahnen, Fischer Technic als Hersteller von Konstruktionsspielzeug, Faller als Modellbauhersteller: alle pleite. Lego ist zwar immer noch ein Gigant, momentan an zweiter Stelle im Weltmarkt, macht aber mittlerweile einen Großteil seines Gewinns mit Videospielen. Spielen Kinder nicht mehr?
Der Markt für traditionelles Spielzeug ist sein Jahren rückläufig, allein der Wachstumsmarkt Videogames macht die Verluste bei Bauklötzchen und Co. wieder wett. Doch die Statistik schönt das wahre Ausmaß des kindlichen Dramas, denn ein gewaltiger Teil des Spielzeugabsatzes geht auf das Konto der Merchandising-Industrie. Spider Man, Superman, Shrek, Nemo der Clownfisch, X-Men und der unglaubliche Hulk stehen als Abkömmlinge der US-Filmindustrie parat und überschwemmen die Kinderzimmer mit martialischen Actionfiguren und allem möglichen Zubehör, versehen mit den Logos und Abbildungen der Leinwandhelden.
Bauklötzchen, Eisenbahnen, Konstruktionsspielzeug, Schaukelpferd und Fang-den-Hut, kurz, all das, was Kindern früher Freude bereiten konnte, Phantasie und Kreativität anregte und entwickelte, ist zum Ladenhüter verkümmert. Was stattdessen ganz oben auf den Wunschlisten zu finden ist sind X-Box, Playstation und Wii mit all den virtuellen Möglichkeiten, Kinder ruhig zu stellen. Kinder ruhig zu stellen, das scheint heutzutage das wichtigste Kriterium zu sein, wenn Spiele gekauft werden. Kauft man dem 8-jährigen das neueste Ballerspiel und erlaubt ihm eine halbe Stunde zu spielen, dann hat man eine halbe Stunde Ruhe. Lässt man das Kind 2 Stunden auf dem Bildschirm den bunten Pixeln nachjagen, ist 2 Stunden Ruhe im Haus – wunderbar. Also lässt man die Kiste am besten gleich den ganzen Tag laufen, so hat man die bravsten Kinder aller Zeiten, von denen man den lieben langen Tag kein einziges Mal genervt wird. Nur ein bisschen unkonzentrierter, launischer und aggressiver werden sie damit.
Computerspiele sind schlecht für Menschen allgemein und für die Entwicklung von Kindern sind sie eine einzige Katastrophe. Dabei sind es nicht nur die Gewalt verherrlichenden Killerspiele, mitdenen die Hemmschwelle diese Gewalt auszuleben massiv gesenkt wird, sondern das Problem greift noch weiter. Computerspiele setzen Kinder – wie auch Erwachsene – unter erhebliche Anspannung. Während eines Computerspiels rattern schon im kindlichen Körper die Stresshormone Adrenalin und Cortisol wie bei einem realen Soldaten im Kriseneinsatz, das haben Untersuchungen kürzlich belegt. Im Gegensatz zum Soldaten bewegen sich Kinder vor dem Computer aber nicht. Bewegung baut die Stresshormone ab, das geschieht bei Videogames spielenden Kindern also nicht. Die Hormone bleiben unverarbeitet im Körper und richten dort Schaden am Körper, am psychosozialen Verhalten und an der Entwicklung des Kindes an. Krankheiten, geschwächtes Immunsystem, Konzentrationsschwäche und ADHS sind die Folge.
Spielen – also echtes Spielen mit Spielzeug welches Kreativität und Phantasie fördert, ist für eine gesunde psychische und körperliche Entwicklung essentiell. Spielgestörte Kinder sind lerngestörte Kinder, da das Spielen eine notwendige Entwicklungsphase ist, um später überhaupt Lernen zu können. Alles, was Kinder sehen und hören, fühlen, in Händen halten und begreifen, wird schnell zum Spiel. Ob es das Ziehen von Mustern auf dem Kartoffelbrei, das Selbstunterhaltungsspiel beim Anziehen, das Grimassen ziehen beim Waschen vor dem Spiegel, das Aufheben und Werfen eines Steines oder das Klettern auf einen Baum ist: Sofort entsteht schnell eine Spielhandlung. Es ist die “handelnde Auseinandersetzung” der Kinder mit ihrer gesamten Umwelt. Kinder wollen sie entdecken, verstehen, sich ihren Gesetzmäßigkeiten annähern und sich mit unbekannten Dingen vertraut machen. Für Kinder gibt es – Gott sei Dank – noch keine Routine, keine Gewohnheiten, keine Verhaltensmuster. Es ist ihre Welt der ständigen Begegnung mit Neuem und mit Handlungsmöglichkeiten, die wiederum die Kinder als eine völlig natürliche Handlungsmotivation/-provokation erfassen. Entsprechend dem Motto “Das Unbekannte muss bekannt werden, das Neue wartet auf eine persönliche Entdeckung, das Reizvolle will erlebt werden!” So wundert es nicht, wenn Spielforscher davon ausgehen, dass Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr ca.15.000 Stunden spielen müssen. Das sind ca. 7 – 8 Stunden pro Tag!
Kinder, die viel und intensiv Spiele mit einem hohen Grad an Eigengestaltung spielen, nehmen dabei ihre Besonderheit, ihre Einmaligkeit, ihre Handlungsmöglichkeiten und -grenzen, ihre Gefühls- und Gedankenwelt wahr. Diese ermutigen sie, noch tiefer in das entsprechende Spielgeschehen einzutauchen. Seit Jahren ist aus dem Feld der Spielforschung bekannt, dass Kinder, die viel und intensiv spielen in allen vier Kompetenzbereichen einer erfolgreichen Lebensgestaltung besser entwickelt sind: im emotionalen, sozialen, motorischen und kognitiven Bereich. Kinder die miteinander spielen entwickeln eine höhere Kompetenz, Emotionen zu erkennen, zu erleben und sich auszutauschen, können besser auf ihre Umwelt und Mitmenschen eingehen, lernen sich durchzusetzen ohne zu verletzen und sind emotional, psychisch und sozial stärker belastbar. Sie können sich besser bewegen und lernen Bewegungen schneller, verletzen sich seltener und haben bessere Abwehrkräfte. Sie nehmen sich und ihre Umwelt besser wahr und verarbeiten eine größere Zahl von Sinneseindrücken schneller und mit geringerer Fehlerquote.
Spielen ist der Grundstein für ein erfolgreiches und glückliches Leben. Spiele, die für das Kind motivierend und ausgleichend sind, den kleinen Geist inspirieren und die Kinderseele beflügeln, sind es, die Kindern gut tun. Videospiele, welche die kleinen Körper unter hormonellen Dauerstress stellen und die Kinderköpfe verblöden lassen, sind der Fluch unserer elektronischen Zeit. Wir sollten unsere Kinder mit Spielzeug aufwachsen lassen, das ihnen etwas in die Hände gibt und ihnen eigene Ideen abverlangt, um dem Spiel Leben einzuhauchen. Klötzchen, Männchen, Fahrzeuge, Landschaften, Szenarien – alles was eine inspirierende Bühne darstellt, aber nicht die Handlung vorgibt. Wenn die Playmobil-Polizisten die Ritterburg überfallen und der Pirat im Spielzeugkrankenhaus den Doktor behandelt, dann hat das Kind die Rolle des Regisseurs übernommen und spielt seinen eigenen Film, die Männchen sind dann nur noch Statisten – so soll es sein.
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Kann man denn diese Videospiele nicht einfach verbieten?
Verbieten ist wohl auch keine Lösung. Die Frage ist viel mehr, ob es nicht Sinn macht die Spiele zu regulieren – das kann aber nicht vom Staat kommen, sondern das muss in der Familie reguliert werden.
Staatliche Regularien sind oftmals voll überzogen und daran halten tut sich im Endeffekt auch keiner.
Das ist wie mit dieser Antiraucherkampagne. Warum muss das gesetztlich bis ins Letzte geregelt werden? Raucherclubs machen zu und “geschlossene Veranstaltungen” werden geöffnet.
Es macht vielmehr Sinn, die Leute aufzuklären und alternativen aufzuweisen. Das ist zwar mühseliger, aber wohl auch effektiver.
Effekiver – das kann nur ein Scherz sein, gerade bei Kindern. Im dem Moment, in dem Herstellung, Besitz und Vertrieb von zum Beispiel gewaltverherrlichenden Videospielen verboten wird, ist es für eine gewisse Altersgruppe nicht mehr so leicht, an dieses Material zu kommen. Die “Beschaffung”erforderte dann ein hohes Maß an krimineller Energie, gerade die Hersteller werden sich dann sehr schwer tun, da die Entwicklung dieser Spiele nur schwer im “Untergrund” machbar ist.
Wenn aber “hirnlose” oder auch einfach nur “bequeme” Elternteile ganz unkriminell die Videospiele beschaffen und Ihren Kindern zu Verfügung stellen, dann ist das Problem nicht die staatliche Regulierung, sondern die unscharfe Aufsichtspflicht und unzureichende Erziehung.
Erziehung jedoch beginnt und endet nahezu zuhause – Erziehung ist keine Aufgabe von Executive und Legislative. Kann auch gar nicht richtig überwacht werden!
Es soll ja auch nicht die Erziehung überwacht werden, sondern Handel und Herstellung von jugendgefährdendem Material. Führerschein, Handfeuerwaffen und dergleichen werden ja auch überwacht ohne dass dies als ein Eingriff in die Erziehungshoheit aufzufassen wäre…
Startet ein Auto nur mit Führerschein? Nein! Wenn der Autoschlüssel für jugendliche “Reiselustige” erreichbar ist, dann werden ja leider auch schon mal Spritztouren unternommen – teilweise mit tödlichem Ausgang.
Handfeuerwaffen die nicht korrekt gesichert sind (Safe o.ä.) wurden ja leider auch schon für Amokläufe verwendet – auch wenn die Täter die Waffe eigentlich nicht hätten besitzen dürfen… – interessiert nachträglich auch nicht mehr wirklich.
Meiner Ansicht nach, gibt es nichts zu regulieren – außer ganz unkompliziert: “Ballerspiele erst ab 18 – oder besser noch: gar nicht”.
Wer ballern will, soll sich für eine Krisenregion verpflichten – dann entdeckt er evtl. ganz schnell neue Interessensgebiete. Manch einer mag sich über den letzten Satz ärgern: Vorweg: Ja, in Krisenregionen wird tatsächlich auch scharf geschossen. Da kann ICH nichts dafür! Mir wäre auch lieber – alle würden Kekse backen!
Nach meiner Ansicht ist das ganze gezocke und gedaddele aber nach wie vor mehr ein Gesellschaftsproblem, als ein Problem das mit Paragraphen erschlagen werden kann. Übrigens auch ein Problem für Erwachsene!