Die Gestaltung und Aufteilung von Wohnräumen war früher strikt nach ihrer Funktion geregelt – Wohnen, schlafen, essen. Neue Bautechniken und neue Gewichtungen im Sozialleben lassen gewohnte Konzepte aber plötzlich “alt” aussehen. Über die Veränderung im Leben zu Hause…
Klassische Raumaufteilungen gibt es nicht mehr. Heutzutage gibt es keine “Zimmer” mehr, es gibt “Zonen” – der Trend zum offenen Wohnen ist ungebrochen, stille Kämmerlein mit nur einer einzigen Funktion sind out.
Die strikte Trennung von Räumen nach Nutzungsart und – Häufigkeit von früher hatte damals einen ganz bestimmten Sinn: Heizkosten zu sparen. Es gab keine Zentralheizung, sondern nur einen, maximal zwei Öfen im Haus. Einen zum kochen, einen für die Stube. Damit möglichst wenig Wärme unnütz verbraucht wird, hielt man die Räume klein und niedrig, warm musste zum Beispiel nur die Stube sein, die Korridore aber nicht. Also baute man sein Haus in kleinen Räumen auf. Außerdem war es technisch und statisch gar nicht so einfach möglich, größere Flächen mit einer Zimmerdecke ohne Stützpfeiler zu überspannen.
Seitdem jedoch die Heiztechnik, Wärmedämmung und die Bautechnik solch enorme Fortschritte gemacht hat, gehören diese Probleme der Vergangenheit an. Raumkonzepte lassen sich heute nahezu ohne jegliche technische Beschränkungen baulich umsetzen, der einzige bestimmende Faktor ist die individuelle Wohnvorstellung des Bauherrn. Entsprechend vielseitig sind demnach auch die Konzepte geworden. Dem anspruchsvollen Bauherrn ist es heute wichtig, seine sozialen Gewohnheiten im Bau umzusetzen. Nicht mehr länger bestimmt das Haus die Gewohnheiten, sondern die Gewohnheiten bestimmen die Architektur. Wer Freude daran hat, mit Freunden oder mit dem Partner gemeinsam zu kochen und daraus Entspannung, Abwechslung und Lebensqualität schöpft, für den ist die Küche nicht mehr länger der Ort der profanen Nahrungszubereitung, es ist Schauplatz und Spielort eines intakten Familien- und Soziallebens. Entsprechend müssen auch die Möglichkeiten an diesem Ort gestaltet sein. Genügend Platz, um frei und ungehemmt miteinander kochen zu können, perfekte Ergonomie und Funktionalität sind wichtig, der Essplatz sollte unmittelbar in die Kochlandschaft integriert sein oder sogar noch als alternativen Essplatz neben der traditionellen “Tafel” eine moderne Esstheke aufweisen – so wird aus dem Kochen für Freunde ein höchst kommunikatives Erlebnis. Nicht mehr länger ist die Frau oder der Herr des Hauses bei der Zubereitung des Menüs vom Rest der Gesellschaft abgesondert, sondern das Kochteam ist im Gegenteilaktiver Mittelpunkt und Entertainmentprogramm des Abends, das Kochen wird zum “Event” für alle Beteiligten. Seit einigen Jahren ist der Trend zur so genannten “offenen Raumgestaltung” und zur “Wohnküche” ungebrochen – Zeichen eines Wertewandels in der Gesellschaft.
Analysiert man die Evolution der Raumgestaltung bleibt jedoch festzustellen, dass sich die größten Veränderungen in den Bereichen “Bad” und “Küche” manifestiert haben. Schlafräume sind nach wie vor relativ abgeschlossene Einheiten, auch bei Kinder- und Arbeitszimmern haben sich kaum konzeptionelle Änderungen ergeben. Das Bad hingegen wurde mehr und mehr zu einer privaten Wellnesslandschaft, was jedoch hauptsächlich in der Ausstattung niedergeschlagen hat. Konzeptionelle Veränderungen hat auch dieser Bereich nicht wirklich erfahren. Die Küche jedoch wird mehr und mehr zum Dreh und Angelpunkt der sozialen und familiären Kommunikation. Entsprechend haben sich auch die Entwürfe der Architekten verändert. Galt früher die größte Aufmerksamkeit bei der Planung einem mögliches effizienten Ausnutzen der gegebenen Fläche zugunsten eines großzügigen Wohnzimmers, räumt man heute der Küche und dem darin integrierten Essbereich immer mehr Platz ein. Wo früher Kochzeilen mit 5-8 Quadratmetern gebaut wurden, sind die Küchen in Häusern vergleichbarer Grundfläche heute leicht 15 bis 20 Quadratmeter groß. Allein dieheute so beliebte “Kochinsel” – fast schon ein Statussymbol in der privaten Küchenplanung – erfordert ein deutliches “Mehr” an Grundfläche und einen Grundriss, der sich erheblich von dem früherer Küchen unterscheidet. Waren die Küchen früher oft schlauchförmig oder kompakt in einen Eckraum des Hauses geplant, rücken sie heute oft in den Mittelpunkt und sind im Grundriss oftmals breiter als tief – ein Ausdruck veränderten Kochverhaltens. Die Kochinsel ist heute Mittelpunkt des Koch- Ess-Erlebnisbereiches, man kocht den Gästen zugewandt, ist damit souveräner, kommunikativer Gastgeber und one-man, bzw. one-woman-show des Abends. Die Planung der Küche für die private “Kochshow” richtet sich auf den Erlebniswert des Kochens an und für sich. Unabhängig von der grundsätzlichen Ergonomie, was Arbeitswege und Höhen anbelangt, kommt es darauf an, bei der Arbeit möglichst lange und ununterbrochen den Gästen zugewandt zu sein. Vorbereitungsplatz, Kochen und falls möglich auch die Spüleinheit kann auf der Kochinsel untergebracht sein – was natürlich einen erheblichen Platzbedarf mit sich bringt und bei der Strom- und Sanitärinstallation bereits berücksichtigt sein will.
Nicht von ungefähr kommt heute die Einschätzung, man plane sein Traumhaus am besten um die Traumküche herum. Der Trend zu diesen modernen und neu interpretierten Küchenkonzepten ist im Übrigen völlig losgelost von Geschmacksfragen. Ob technisch-kühle Küchen mit klaren schnörkellosen Formen, charmante Landhausküchen oder mediterraner Stil – Einigkeit besteht in der Interpretation der Küche als Kommunikationsort der Familie und sozialer Dreh- und Angelpunkt zur Pflege von Freundschaften und Beziehungen.







