Renate Peschl-Brummer hat 1997 den traditionsreichen Familienbetrieb “Blumen Peschl” in Neuhaus, direkt am Innufer, übernommen. Seitdem ist die offiziell ausgezeichnete “Premium-Gärtnerei” kaum wieder zu erkennen, denn dem eigenen Herzen, aber auch dem Fingerzeig privater Schicksalsschläge folgend, wurde der Betrieb unter ihrer Führung von Beginn an nahezu von Grund auf umstrukturiert. Möglichst viel Zeit und Nähe zum Endkunden, das war das erklärte Ziel, mit allen Konsequenzen – ein Portrait.
Renate Peschl-Brummer ist eine recht quirlige, lustige Frau, die ihr Herz am rechten Fleck hat und es manchmal auch auf der Zunge trägt – zum Beispiel wenn sie für die Lehrlinge die Kombination aus strenger Chefin, ehrlicher Freundin und dabei auch noch ganz nebenbei kompetente Beraterin in Beziehungsfragen sein muss.
Sie und ihr Mann Christian Brummer lieben gutes Essen und genießen dabei mit allen Sinnen. Gut ist dabei alles, was „echt“ ist, denn die Natur und ihre blühenden und sprießenden Wunderwerke sind ja nicht nur Labsal für das Auge und die Seele, sondern in Form von frischen Kräutern durchaus auch eine köstliche Wohltat für den Körper. Frische Bio-Kräuter aus dem Garten in der Küche zu verwenden, das ist eine Kunst, die im Zeitalter von Tütensuppen und Geschmacksverstärker leider immer mehr in Vergessenheit gerät – Grund genug für Renate Peschl- Brummer der gesamten Belegschaft mal schnell einen aufwändigen Kräuterkochkurs bei Erwin Rückerl vom Hofgut Hafnerleiten zu spendieren. „Ich glaube, dass die Mitarbeiter die Kunden einfach viel besser beraten können, wenn sie mit Kräutern selbst schon gearbeitet haben. Man muss es selbst erfühlen, riechen und schmecken, um zu wissen worum es geht. Der Mensch sollte sich ruhig wieder ein wenig mehr auf die Natur einlassen, denke ich.“
Die Nähe zur Natur und zu den Menschen, das hat sich die umtriebige Powerfrau allerdings erst hart erkämpfen müssen, denn nach der Übernahme des elterlichen Betriebes im Jahr 1997 standen die Vorzeichen zunächst einmal anders. Das Unternehmen bestand aus dem Betrieb in Neuhaus, sowie zwölf Filialen, zumeist in irgendwelchen Supermärkten im Umkreis von 200 Kilometern integriert. Der Grosshandel war ein wesentlicher Teil des Geschäftes, also die Belieferung anderer Blumenläden und Gärtnereien. Renate Peschl- Brummer hatte 1995 die Kölner Meisterschule – als Jüngste – mit Erfolg abgeschlossen und für die anstehende Betriebsübernahme eine klare Vision mitgebracht: der Großhandel musste aufhören. Blumen und Menschen, das ist etwas, das zusammen gehört, und damit wollte sie arbeiten – nicht mit Zahlen und Lieferscheinen. Der Kunde im Laden war es schon immer, der ihr am meisten am Herzen lag. Dazu passte es einfach nicht, nur noch Großbestellungen logistisch und administrativ abzuwickeln und den Rest der Zeit auf der Autobahn zu verbringen, um in den Filialen nach dem Rechten zu sehen. Dass dies nicht ihr Leben war, spürte sie sehr schnell und es wurde ihr auch von ihrem eigenen Körper mit dramatischer Nachdrücklichkeit empfohlen, einige Kurskorrekturen vorzunehmen. 1998 ließ sie den Betrieb zur Hälfte abreißen und startete mit einem neuen Konzept und einem Neubau 1999 durch: der Großhandel wurde eingestellt und von den Filialen trennte sie sich bis 2001 nach und nach. Stattdessen konzentrierte sie sich auf ihre Kernkompetenz, die Gärtnerei und die Beratung der Kunden. Endlich war sie frei für ihre eigentliche Berufung. Aus vormals 500 Quadratmetern Verkaufsfläche wurden 2000 Quadratmeter, auf denen die Kunden jetzt eine komplette Wohlfühlwelt rund um Beet, Balkon und die eigenen vier Wände vorfinden.
„Am Anfang ist man natürlich unsicher. Man lässt sich beeinflussen von den angeblichen Regeln des Marktes. So hieß es zum Beispiel, ein Betrieb wie der unsere könnte nur erfolgreich existieren, wenn wir von der Tiernahrung bis zur Dekoabteilung alles anzubieten hätten, also ein Vollsortiment. Nach und nach trennte ich mich von diesem Diktat. Wir wollen nur das machen, wo wir auch dahinter stehen, mit Leib und Seele. Wir haben uns spezialisiert und Kernkompetenzen entwickelt, und ich glaube das ist der richtige Weg. Was soll ich mich mit Obstbäumen und Heckensträuchern beschäftigen, wenn es rund um uns herum so hervorragende Baumschulen gibt? Da schicke ich doch die Kunden lieber dorthin, denn das ist nicht unser Fachgebiet, und da könnten wir auch nur durchschnittliche Beratung leisten. Durchschnitt ist aber nicht das, was ich will…“
Renate Peschl-Brummer weiß genau was sie will. Und sie hat hohe Ansprüche, die höchsten natürlich an sich selbst. Klasse statt Masse, diese Weisheit fällt bei ihr auf ganz besonders fruchtbare Erde. So ist ihr zum Beispiel das konventionelle Sortiment an Rosensorten viel zu langweilig. Anstatt den üblichen Weg über holländische Blumenauktionen zu gehen, hat sie sich über Jahre hinweg einen guten Kontakt nach England aufgebaut, wo sie die neuesten Züchtungen, zum Beispiel von David Austin, direkt bezieht. Nur was zur Philosophie des Hauses passt, wird ins Sortiment aufgenommen. Dieser Gedanke zieht sich durch – von der Wohndekoration bis zu den Zimmerpflanzen. Immer ist Renate Peschl-Brummer bei ihren Einkäufen auf der Suche nach neuen Ideen und Wohlfühlwelten. Das ganz Besondere, das liegt ihr am Herzen. Der Kunde soll hier etwas finden, was er sonst nirgends finden kann. Und wenn es auch nur ein paar Stunden der Entspannung und Inspiration sind. Der Schaugarten auf der Verkaufsterrasse, mit Blick auf Schärding und den Inn zum Beispiel wird oft von Kunden besucht. Die setzen sich dann einfach auf eine Bank und lassen die Gedanken fließen, lassen sich von der Blütenpracht inspirieren. “Ein Platz zum Durchatmen, Erholen, Auftanken und Erleben, dass soll Blumen Peschl für unsere Kunden sein. Mein Ziel ist es, in den nächsten ein bis drei Jahren den Schaugarten noch mal deutlich zu erweitern – als Platz der Energie und Inspiration, einfach nur zum darin Spazierengehen und zum Verweilen. Das ist eine weitere Vision, die ich unbedingt umsetzen will.”
Beratungsqualität ist noch so ein Thema. Ehrlichkeit und Kompetenz, an diesen Massstäben möchte sie gemessen werden. „ Ehrliche Beratung soll dem Kunden einen Vorteil bringen. Und genau so will ich es auch bei uns im Geschäft. Warum soll ich eine Blumenerde bei uns verkaufen, die in Wirklichkeit zu nichts taugt – nur weil sie billig ist? Wir verkaufen nur, was wir auch selbst verwenden. Was nützt es mir, wenn ich dem Kunden einen Übertopf für fünf Euro mehr verkauft habe, der aber damit völlig unglücklich ist? Dann habe ich für fünf Euro einen Stammkunden an die Konkurrenz verkauft – ein schlechtes Geschäft.“
Ein Massstab für Erfolg ist für Renate Peschl-Brummer insbesondere das Feedback ihrer Kunden. Zufriedenheit, aber auch eventueller Ärger über eine missglückte Bepflanzung helfen dabei, die Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und über den Kauf hinaus den Kunden zu begleiten.
„Planzen sind keine Gegenstände, sondern Lebewesen. Wenn man diese Lebewesen nicht so behandelt, wie sie es benötigen, gehen sie ein. Wir versuchen unsere Kunden da nach und nach ein wenig tiefer in die Materie zu führen. Es gehört einfach dazu, dass man wieder lernt, auf die Natur zu hören. Wenn es draußen kalt und nass ist, kann ich bestimmte Balkonpflanzen nicht setzen. Dann muss man warten, auch wenn´s schwer fällt. Man kann den Frühling und den Sommer nicht herbeizwingen, nur weil man auf Biegen und Brechen einen blühenden Garten haben will. Warten können, das gehört zum Garteln einfach dazu. Wenn die Leute kommen und im Frühjahr die Gräber neu zu richten, dann verkaufe ich meistens weniger Pflanzen als sie denken. Aber die Sachen wachsen ja – mann muss warten können. Und das Wetter spielt ja auch noch eine große Rolle. Das haben wir alle nicht unter Kontrolle.“
Garteln und Erde schaufeln, große Mengen an Pflanzen umschlagen, das war und ist das Kerngeschäft von Blumen Peschl. Heute ist Dekoration und Wohnraumgestaltung ein weiterer großer Schwerpunkt geworden. Neueste Trends werden bei Blumen Peschl akribisch aufgespürt. Floristik, Wohnraumambiente und Zimmerpflanzen, Beetund Balkonpflanzen, Hortensien und Rosen, das sind die absoluten Kernkompetenzen des Betriebs mit dem schönen Blick auf Schärding und den Inn.
Liegt einem die stimmige Dekoration eines Raumes im Blut? „Ja, ich denke schon“, meint Renate Peschl-Brummer ein wenig nachdenklich, „man sollte halt auf gewisse Gruppierungen und Symmetrien achten. Harmonie von Farben und Formen erreicht man aber auch wieder nur dann, wenn man sich auf die Dinge einlässt, ihnen Zeit gibt, ihre Wirkung auf einen zu entfalten. Oft kommen Menschen zu mir und sagen, sie bräuchten ein Geschenk für einen lieben Bekannten, aber es sei völlig egal was, Hauptsache ´so um die 50 Euro´ – wie kann man da beraten? Eine Beratung kann nur so gut sein, wie man Informationen über sich und seine Wünsche preis gibt. Ich erfahre dann meist nützliche Informationen, wenn ich die Interessen und Belange des Beschenkten abfrage. Welche Farbe, Alter, kocht derjenige gern, oder ist eher Garteln das bevorzugte Hobby? Mit ein paar gezielten Hinweisen und der großen Anzahl an visuellen Eindrücken findet man dann doch recht rasch das passende Präsent.“
Gibt es ein paar Grundsätze für eine stimmige Dekoration, wollen wir wissen? „Am meisten hilft es, wenn wir ein Foto haben. Farben kann man nicht beschreiben, Farben muss man sehen. Was ist schon Blau? Es gibt unzählige Blautöne. Bei Hochzeitsgestecken und Brautsträußen zum Beispiel ein Foto vom Kleid. Das und die Braut selbst sind schon eine Hilfe. Oft bekomme ich einen Auftrag für eine Hochzeit nicht, weil ich zu ehrlich bin. Da zeigt mir eine Braut ein Bild von der Hochzeit einer Freundin oder aus der Zeitung ausgeschnitten, und ich sehe sofort, dass dies gar nicht zum Typ passt. Dann frage ich, warum sie eine Kopie von jemand anderem sein will, wo sie doch ein ganz anderer Typ ist…Wenn wir einen Auftrag bekommen, dann wird es meistens etwas ganz Besonderes. Wenn unsere Beratung gefordert wird, freuen wir uns immer über das damit gezeigte Vertrauen.“







