Christian Reinhardt

In der Familie Reinhardt findet man Energiepioniere, Landwirte, Gastronomen und Pragmatiker. Aber vor allem sind sie jene, die alles, was sie anfangen, entweder richtig – oder gar nicht machen.

Oben, am Oberen Galgenberg, mit einem wunderbaren Blick zur Abtei Schweiklberg, da liegt die Ideenfabrik der Reinhardts. Was der Vater als Allrounder mit Erfindungsgeist und geschickten Händen aufgebaut hat, führen die Söhne, Christian und Heinrich Reinhardt mit viel Ehrgeiz und Prinzipientreue fort. Heraus gekommen ist dabei eines bis heute in der Region führenden Unternehmen in der ganzheitlichen und nachhaltigen Energieberatung, Solar- und Heiztechnik, sowie eine vorbildliche Landwirtschaft mit Weinstube und Gasthof. Die Philosophie, die beidem zugrunde liegt ist dieselbe: den optimalen Nutzen aus dem zu ziehen, was die Natur uns schenkt. Mit der Natur für den Menschen. Dass dabei auch revolutionäre Spitzentechnologien mit zukunftsweisenden Konzepten im Spiel sind, ist kein Widerspruch zu der konsequenten Ausrichtung auf die Umwelt, sondern eine Folge dessen. Wir haben Christian Reinhardt in Vilshofen besucht und dabei nicht schlecht gestaunt.

An einem schönen sonnigen Morgen wirkt die Atmosphäre auf dem Anwesen besonders idyllisch. Dass man hier oben eine besondere Verbindung zur Natur und der Umwelt entwickelt, liegt auf der Hand. Dabei ist durch die Entstehungsgeschichte das Unternehmen Reinhardt schon von Anfang an auf Innovation und Projektentwicklung fokussiert. Schon vor über 30 Jahren war der Betrieb als Versuchsbetrieb mit Adam Reinhardt der „Landtechnik Weihenstephan“ sozusagen Testobjekt für neue Technologien in den Bereichen Land- und Umwelttechnik.

Die „Landtechnik Weihenstephan“ stützt sich auf drei Säulen: den Lehrstuhl für Landtechnik und den Fachgebieten für Technik im Pflanzenbau sowie für Technik im Gartenbau des Wissenschaftszentrums Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der TU München, das Institut für Landtechnik, Bauwesen und Umwelttechnik (ILT) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und die Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e.V. (ALB). Das heutige Institut für Landtechnik, Bauwesen und Umwelttechnik der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft gehörte bis 2001 als Bayerische Landesanstalt für Landtechnik ebenfalls zur TU München, wurde 2002 dem Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten zugeordnet und 2003 als Institut für Landtechnik, Bauwesen und Umwelttechnik in die neu gegründete Bayer. Landesanstalt für Landwirtschaft eingegliedert.

Hier wurde und wird technologischer und konzeptioneller Fortschritt praktisch erprobt und tauglich für den täglichen Einsatz gemacht. In Vilshofen fanden die Weihenstephaner mit Herrn Reinhardt Senior offensichtlich einen engagierten Partner, der mit Ideen und Tatkraft maßgeblich die Entwicklung von heute selbstverständlichen Techniken mit begleitete und seine Entwicklungen mit einfließen lassen konnte. Solaranlagen, Hackgut- und Pelletheizungen, Windkraftanlagen und Biogasheizungen wurden in Vilshofen maßgeblich mitentwickelt und im praktischen Einsatz auf Tauglichkeit geprüft, immer wieder verbessert – so lange, bis sie den Anforderungen entsprachen. Das über Jahrzehnte gesammelte Know How von Adam R. in den Bereichen alternativer und regenerativer Energiequellen und diesbezüglicher Technologien ist aus diesem Grund natürlich beispiellos. Wer schon die Kinderschuhe der heute bekannten Solar- und Photovoltaikanlagen und Pelletheizanlagen mitgeschustert hat stets als einer der Ersten im praktischen Einsatz auf Herz und Nieren getestet hat, der kennt alle Tricks und Tücken dieser Technologien in- und auswendig.

„Was heute als neueste Technologie vermarktet wird, das gibt es in Wirklichkeit schon seit Ewigkeiten. Das Problem war nur, dass gewisse Innovationen von… na, sagen wir mal… ᾽übergeordneten Interessen᾽ nicht gewollt waren. Biogas ist so ein Beispiel. Damit hat meine Großmutter schon gekocht, wir haben damals schon die eigene Gülle aus Schweinezucht in Gärtanks zur Biogaserzeugung verwendet. Wenn da mal eine Leitung undicht war, hat´s halt gestunken. Aber das ist ja auch gut so. Denkt man nur einmal an die Gasunfälle heutzutage, warum kann denn Gas unbemerkt aus defekten Leitungen austreten und sich in geschlossenen Räumen ausbreiten? Weil es geruchlos ist. Würde man dem Gas einfach einen natürlichen Geruchsstoff zusetzen, wäre das Problem ein für allemal gelöst, man würde ein Gasleck auf der Stelle riechen und könnte sofort handeln. Heute denkt man zu kompliziert. Einfache, schnelle Lösungen die wenig kosten – was sich für den Bürger wünschenswert anhört, ist in Wirklichkeit unerwünscht. Einfach, schnell und kostengünstig – an so einer Idee gibt es einfach zu wenig zu verdienen. Ich habe eine Zeitlang gebraucht, um zu verstehen, wie diese Dinge in Wirklichkeit gesteuert sind. Erst jetzt, wo die Vorräte an fossilen Energieträgern tatsächlich in absehbaren Zeitspannen erschöpft sind, lässt man die jahrzehntelang unterdrückten Alternativen hoch kommen.“ Christian Reinhardt gelingt es nicht zu verbergen, dass er kein allzu großer Freund der Energiekonzerne und ihrer konspirativen Lobbyarbeit ist. Er gibt sich auch gar keine Mühe dazu. Dass hier ein faules Spiel mit dem Verbraucher getrieben sämtliche Entwicklungsstadien wird, muss man auch nicht beschönigen.

Den Fortschritt kontrollieren und dabei die Hand auf den Schlüsselgeschäften behalten, das ist wohl die Strategie der Energiekonzerne. Mit Christian Reinhardt jedoch ist diesen Konzernen ein Pionier in Sachen Energieoptimierung entkommen. Wenn er über Energieoptimierung spricht, dann wirkt die heute so heißgeliebte Photovoltaikanlage fast schon wie ein Relikt aus den 60ern. Photovoltaik für den Strom und Pellet- oder Hackschnitzelheizung für die Wärme ist heute das gängige Konzept. „Warum nicht Pellet und Hackgutheizung für Wärme und Strom“ – fragt sich Christian Reinhardt – und hat auch die passende Technologie dazu parat. Mit einer Hightech-Heizung, genannt „Sunmachine“ wird nicht nur die benötigte Wärme erzeugt, sondern als „Abfallprodukt“ der Hochleistungsverbrennung auch Strom. Ein „Mikro-Blockheizkraftwerk“ sozusagen. Dieser Strom bringt, ins öffentliche Netz eingespeist zu staatlich garantierten Mindestpreisen, genug Einnahmen um die Befüllung der Heizung mit Pellets zu finanzieren. Umweltverträgliche Wärme und Strom für null Euro, das ist nach dem Geschmack des Vilshofener Vordenkers. Der Strom als Abfallprodukt bezahlt die Heizung. Ein besonderer Nebeneffekt: Außer Strom produziert der Ofen praktisch keine sonstigen Abfallprodukte mehr. Durch die extrem hohe Temperatur verbrennen die Holzpellets vollständig, lediglich ein paar Milligramm mineralische Asche verbleiben. Wäre diese nicht so wenig, gäbe sie einen vorzüglichen Dünger ab, leider entstehen davon aber nur ein paar Gramm pro Jahr. Natürlich hat Christian Reinhard alle diese Technologien im-mer selbst als erster in Betrieb genommen. Nichts wird empfohlen, das nicht im eigenen Betrieb und Haushalt seit Jahren erfolgreich umgesetzt wird.

Das ist praktizierter Umweltschutz und Energieeffizienz, die sich auch wirtschaftlich auszahlt. Natur und Wirtschaft – das scheint die Familie Reinhardt aber auch noch auf einen anderen Gedanken gebracht zu haben. Warum nicht eine Gastwirtschaft betreiben, in der echte Naturprodukte aus weitestgehend eigener Erzeugung auf der Karte stehen?

Karte? Fehlanzeige, in Reinhardts Weinstube und Landgasthof gibt es seit jeher keine Karte, sondern eine Tafel. Dort stehen die Tagesgerichte drauf, und die wechseln nicht nur nach Jahreszeiten, sondern nach der Tagesproduktion.

Bei uns wird fast alles selbst produziert, was wir brauchen. Wir machen unsere Nudeln selber, backen eigenes Brot und machen eigene Brotaufstriche. Natürlich nur aus natürlichen Zutaten, ohne Zusätze um sie haltbarer zu machen. Wir machen unsere Wurst selber und das Fleisch dazu kommt aus eigener Züchtung. Eigenes Vieh, eigene Ziegen und Lämmer, eigenes Geflügel. Unsere Rinder sind echtes Weidevieh, das schmeckt man halt. In den letzten Wochen hatten wir Pilzgerichte auf der Tafel, die habe ich selbst gesammelt. Ich möchte es wissen, wo die Produkte herkommen, und am meisten Kontrolle habe ich, wenn wir sie selbst herstellen. So einfach ist unsere Philosophie. Wenn wir etwas nicht selbst erzeugen können, dann beziehen wir es fast nur von Betrieben aus unserer Region, das ist für mich nachhaltiges Wirtschaften. Würde das häufiger praktiziert, dann würde der Bauer wieder zu dem werden, was er früher einmal war: ein Nahversorger, der einen vernünftigen Preis für sein Produkt bekommt. Heute ist das anders. Der Bauer ist gezwungen sein Produkt billigst an die Lebensmittelindustrie zu verkaufen, verdienen tut nicht der Erzeuger, sondern der „Veredler“. Den Landwirt zu schwächen ist keine gute Strategie. Volkswirtschaftlich ist der Landwirt der, an dem alle Industriezweige hängen. Der Landwirt baut, kauft Maschinen, kauft Betriebsmittel und so weiter. Geht es ihm gut, investiert er. Dieses Denken gibt es ja in der Wirtschaft gar nicht mehr. Man sollte weniger subventionieren aber realistische Preise durchsetzen.“

Wir fragen nach dem eigenen Wein, schließlich ist die Gastwirtschaft ja auch eine Weinstube. Der Wein, so erzählt er, kommt aus Ungarn, von einem eigenen Weingut, das der Vater betreibt. Es wäre kein echter Reinhardt-Wein, würden auch bei den feinen Weiß- und Rotweinen nicht ebenso die höchsten Maßstäbe bei Anbau und Kelterung angesetzt werden. Modernes Wissen und konsequente Umsetzung von Qualitätskriterien haben den Reinhardt´schen Weinen einen sehr guten Ruf eingebracht, auf den Adam Reinhardt zu Recht stolz sein kann. Es scheint, dass alles, was die Familie Reinhardt so anpackt, nach einer gewissen Zeit Fuß fasst. „Es dauert einfach seine Zeit, bis man sich mit einer gewissen Philosophie behaupten kann, denn es gibt ja immer die, welche mit verlockenden Versprechungen die Kunden schnell für sich gewinnen wollen. Hätten wir nicht unser Standbein mit der Energietechnik, dann hätten wir in der Gastronomie diese Philosophie niemals durchziehen können, es war ein langer Atem nötig. Man muss halt warten können, bis die Menschen ein paar mal auf andere herein gefallen sind, dann kommen sie von selber. Aber wenn wir etwas machen, und das sehen alle Mitglieder unserer Familie und unser Küchenchef Thorsten Grubmüller genauso, dann machen wir es richtig – oder gar nicht“

Und das ist gut so.

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