Das weiße Gold des Rottals

Gesunder, erholsamer Schlaf ist eine Wissenschaft für sich. Max Sperlich, der Inhaber der Rottaler Bettenfabrik zeigt PAparazzi, warum das Bett ein individuelles Schlafsystem ist und auch sein muss.

Tiefen, gesunden, erholsamen Schlaf – das kennen Viele nur noch von kleinen Babys, denen sie oft neidvoll zusehen müssen, wie sie sanft entschlummern und nach vielen Stunden des unbeirrbaren Tiefschlafes wie neu geboren aufwachen. Tiefer, erholsamer Schlaf, kein Hin- und Herwälzen in der Nacht, kein durchgeschwitztes Aufwachen in den frühen Morgenstunden, kein steifes Kreuz mehr nach dem Aufstehen, kein quälender Ischias und auch kein verspannter Nacken mehr – wäre das nicht schön? Der Grund dafür, dass den meisten von uns dieses Glück nicht beschieden sein kann, ist der, dass viele von uns ihre Betten nach dem Zufallsprinzip ausgesucht haben. Und eventuell einem Verkäufer aufgesessen sind, der mit – im wahrsten Sinne des Wortes – gefährlichem Halbwissen uns in ein Schlafsystem hinein gequatscht hat, dem wir nun die seit Jahren andauernden Beschwerden zu verdanken haben. Das Bett ist der Ort, an dem wir ungefähr ein Drittel   unseres Lebens verbringen und die meiste Zeit davon in einer relativ unbewegten Position. Kein Möbelstück hat einen größeren Einfluss auf unser Wohlbefinden und nimmt größeren Einfluss auf unsere Gesundheit. Im Schlaf sind die körpereigenen Abwehr- und Schutzmechanismen auf lediglich zehn % ihres Leistungsvermögens herunter gefahren, im Schlaf soll sich der Körper nicht verteidigen, sondern erholen. Keinem Gebrauchsgegenstand im täglichen Leben setzen wir uns so schutzlos und dennoch vertrauensselig aus, wie unserem Bett. Wenn´s also im Bett nicht stimmt, dann stimmt´s nirgends.

Umso erstaunlicher ist es, dass bei den meisten Menschen nahezu völlige Ahnungslosigkeit vorherrscht, wenn es darum geht, ein passendes Bett für sich zusammen zu stellen. Matratze hart oder lieber weich? Wasserbett oder Federkern? Latex oder Rosshaarmatratze? Wolle oder Federn – oder gar „Daunen“? Was sind überhaupt echte Daunen? Funktionstextilien oder doch Baumwolle? Fragen über Fragen. Fast unmöglich für einen Verbraucher, auch nur eine begründete eigene Meinung zu besitzen, geschweige denn ein „Verkaufsargument“ inhaltlich zu bewerten egal, wie unqualifiziert, wie absurd es auch sein mag. Zeit für uns, ein wenig Licht ins Dunkel des Schlafgemaches zu bringen. Wir haben uns zu diesem Zweck auf den Weg ins Rottal gemacht, nach Hartkirchen, zur Bettenfabrik Sperlich, in der man sich seit 63 Jahren mit dem Thema Bett beschäftigt.

Seit 1987 gibt es bei Betten Sperlich neben dem Fabrikverkauf ein eigenes Schlafstudio, in dem man mit modernsten Methoden an der perfekten Abstimmung des individuellen Schlafsystems für den Kunden arbeitet. Die Sensoflex Liege-Diagnose war damals eine Weltneuheit, die eine völlig neue Basis für die Schlafberatung schuf und ist in der Region einzigartig. Als absoluter Pionier in dieser, bis heute in der fünften Generation vorliegenden Technologie, erarbeitete sich Betten Sperlich eine beeindruckende Kompetenz in der Liegeanalyse.

Das A und O in der Matratzenwahl ist die Einsinktiefe. Diese ist bestimmt durch das Verhältnis von Körpergewicht und Auflagefläche des Körpers. Sinkt der Körper zu tief ein, so schwitzt man leicht und hat Schwierigkeiten beim Wechsel der Schlafposition. Der Mensch wechselt in einer durchschnittlichen Nacht bis zu 50 mal die Position – im Schlaf. Ist der Positionswechsel nicht einfach genug möglich, wacht man auf oder erleidet zumindest eine Unterbrechung der wichtigen REM- (Traum-) und Tiefschlafphasen. Ist die Einsinktiefe allerdings zu gering, so friert man leichter und das Körpergewicht verteilt sich nicht gleichmäßig sondern konzentriert sich an wenigen Auflagepunkten, was zu Druckstellen führt, die ein noch häufigeres Umlagern der Schlafposition zur Folge haben – was wiederum den tiefen Schlaf erheblich stört. Die optimale Matratze hat also ein zu tiefes und auch zu geringes Einsinken zu verhindern. Aus diesem, wie aus weiteren Gründen raten die Experten auch von Wasserbetten ab, denn hier sinkt der Körper nach dem Verdrängungsprinzip in den schwersten Körperpartien zu tief ein und bewirkt eine Verdrängung des Wassers in der Matratze nach unten. Da sich Wasser nicht komprimieren lässt, wird das Wasser unter den schweren Körperarealen zur Seite gedrängt und übt dort Druck auf die leichteren Körperpartien nach oben aus. Das Resultat ist ein so genannter „Hängematteneffekt“, der sich zwar abmildern, aber prinzipbedingt nicht ausschalten lässt.

„Das Ziel bei einer Matratze ist eine möglichst perfekt umgesetzte punktuelle und individuelle Flexibilität. Das heißt, dass ein beabsichtigtes Einsinken des Körpers an einer Stelle keinen Einfluss auf die anderen Areale hat. Das heißt, die Matratze gibt nur dort nach, wo sie nachgeben muss und wirkt anschmiegend und unterstützend, wo es erforderlich ist. So soll zum Beispiel der Schulterbereich so gestaltet sein, dass die Matratze dort in Rücken- oder Bauchlage abstützt, in Seitenlage der Schulter aber flexibel nachgibt, so dass die Schulter weich genug aufgenommen wird und so eine verkrümmte Haltung oder ein Einschlafen der Arme verhindert.“ erklärt Max Sperlich.

Neben der Liegeanalyse kommt der klimatischen Beratung eine erhebliche Bedeutung zu. Und hier geht einfach nichts über die altbewährten Naturprodukte. Betten Sperlich ist eine vollstufige Bettfedern- und Daunenfabrik. Als solche veredelt sie nicht nur fertig angelieferte Daunen und Bettfedern, sondern stellt diese aus dem Rohgefälle selbst her – und verfügt hier über eine herausragende Erfahrung.

Im Schlaf ist die Körpertemperatur am niedrigsten. Das Schlafsystem hat also die Aufgabe den Körper vor dem Auskühlen zu bewahren, aber auch ein Überhitzen des Körpers zu verhindern, da beides den Schlaf unterbrechen würde. Nebenbei verliert der Körper auch Feuchtigkeit, bis zu 0,3 Liter sind normal, ab einem halben Liter spricht man von starkem nächtlichen Schwitzen. Manche Marketingstrategen sind bereits auf die Idee gekommen diese Tatsache mit Argumenten aus der Sportbekleidung ausnutzen zu wollen, indem Bettwäsche aus Funktionstextilien angeboten wird. Dies ist jedoch genau das Gegenteil vom dem, was erforderlich ist. Funktionstextilien im Sport haben die Aufgabe eine schnelle Verdunstung des Schweißes zu ermöglichen, was gleichzeitig kühlend wirkt. Das Bett hingegen muss die Feuchtigkeit aufnehmen ohne den Körper auszukühlen. Wärme und Feuchtigkeitsaufnahmevermögen sind also die beiden Kriterien, auf die es ankommt.

Die maximale Wärme liefert das „Bett der Könige“ – die Daunendecke. Daunen haben die Fähigkeit, bei minimalem Eigengewicht ein Maximum an Luft einzuschließen. Die Luft ist es schließlich, welche die Isolation bewirkt, nicht das Material. Doch was ist überhaupt eine Daune, und wodurch unterscheiden sich die Daunen untereinander?

Das Gefieder, das für Bettdecken und Kopfkissen verwendet wird, stammt grundsätzlich ausschließlich aus dem Brustgefieder von Wassergeflügel, also Enten und Gänsen. Hühnerfedern wurden früher als „Arme-Leute-Betten“ auch benutzt, doch Hühnerfedern haben keine Bauschkraft und legen sich platt aufeinander. Mit Ausnahme der Eiderente liefern Enten auch nur Daunen niedriger Qualität, weswegen man bei Sperlich überwiegend Gänsegefieder verarbeitet. Das Brustkleid unterteilt man in Federn und Daunen – nur ca. 15-18 % des Brustkleides einer Gans besteht aus Daunen. Der Unterschied ist, dass eine Feder aus einem Kiel, einer Fahne und dem Bewuchs besteht, eine Daune hingegen besteht aus einem punktförmigen Kern, aus dem strahlenförmig feine Verästelungen entspringen. Diese Daunen sind extrem weich und schließen sehr viel isolierende Luft ein – wenn sie von hoher Qualität ist.

Die Qualität einer Daune hängt vor allem von den Aufwuchsbedingungen des Tieres ab, von dem sie stammt. Man spricht hier auch von der „Reife“ des Federkleides. Die Daunen und Federn von jungen Mastgänsen sind von niedrigem Wert für die Bettwarenerzeugung, da die Federn weiche, schlappe und geradere Kiele besitzen und die Daunen sehr klein sind. Zu weiche Kiele haben nichts damit zu tun, dass das Bett dann weicher wäre, sondern sie haben eine geringere Bauschkraft – sie sind nicht in der Lage, sich wieder aufzurichten, wenn sie einmal niedergedrückt wurden. Das Bett oder das Kissen ist demnach schnell flach und enthält nach kurzer Zeit nur noch eine komprimierte, feste „Federmatte“. Wintergänse, denen die Zeit gegeben wurde auszuwachsen, zeichnen sich durch ein bauschkräftiges Federkleid mit hoher Füllkraft aus.

Die Füllkraft ist das wesentliche Qualitätsmerkmal von Daunen und Bettfedern. Je höher die Füllkraft, desto höher ist das Volumen der Daunenfüllung. Das bedeutet, dass die Decke leichter und gleichzeitig wärmer wird. Man schläft wahrhaft wie auf – beziehungsweise in – den Wolken. Natürlich ist ein Daunenbett höchster Qualität eine Anschaffung, die auch einer gewissen Pflege bedarf (alle Feder-und Daunenbetten bedürfen der gleichen Pflege, doch bei manchen Qualitäten sollte man sich fragen ob die Entsorgung nicht die bessere Entscheidung ist). Alle fünf Jahre sollte man die Füllung professionell reinigen lassen. Die Federn und Daunen werden dann bei Sperlich aus den Decken und Kissen heraus genommen und in einer speziellen Waschmaschine mit Wasser und reiner Seife – völlig ohne chemische Zusätze – gewaschen und anschließend bei 100° Celsius gedämpft und getrocknet. Damit sind die wertvollen Wärmespender wieder durch und durch rein und flauschig. Nach 15 Jahren etwa sollte man die Federund Daunenfüllung austauschen, denn dann haben sich die feinen Verästelungen so abgenutzt, dass sie ihre flauschigen und isolierenden Eigenschaften verlieren.

Bislang keine Kommentare, sei der erste.

Hinterlasse einen Kommentar