Der Jeans-Mythos
Sie ist das Urgestein der Couture, der unerschütterliche Fels in der Brandung der kurzlebigen Trends und modischen Zeitgeister: die Jeans. Seit ca. 160 Jahren gibt es das robuste Beinkleid und trotz einiger Versuche, die Jeans aus der Modewelt zu verbannen, hat sie ihre Gegner bis heute allesamt überlebt.
Die Jeans kommt zwar aus Amerika, doch sie ist das Produkt eines geschäftstüchtigen Deutschen, der eine italienische Hose aus französischem Stoff in Amerika einführte. So gesehen, ist die Jeans schon von Anbeginn ein echtes Multi-Kulti-Produkt.
Die Ursprungshose ist eine Hose, die von Seefahrern aus Genua getragen wurde, die Hose wurde einfach „gênes” genannt, nach dem französischen Wort für die Stadt Genua.
Aus „gênes”, gesprochen „dschäness” machen die Amerikaner dann „jeans” – die Jeans ist also das Ergebnis des Unvermögens der Amerikaner, ein französisches Wort nachzusprechen oder gar zu schreiben. Ebenso verhält es sich mit dem Baumwollstoff, aus dem die Hosen gemacht wurden: „Serge de Nîmes”, was soviel heißt wie „Stoff aus der Stadt Nîmes”. Nîmes liegt in Südfrankreich, die Ursprungsbezeichnung „de Nîmes” für den Stoff wurde bald zu seinem Eigennamen: Denim.
Der in Buttenheim in Oberfranken geborene Löb Strauss wanderte 1847 nach Amerika aus und betätigte sich dort als Stoffhändler. Da die Amerikaner auch seinen Namen nicht richtig sprechen konnten, nannte er sich bald Levi, Levi Strauss. Seine Hosen schneiderte er zunächst aus brauner Zeltplane.
Getragen wurden die strapazierbaren Hosen am liebsten von den Goldgräbern, die jedoch die Angewohnheit hatten, die gefundenen Nuggets in die Hosentaschen zu stecken, wodurch diese immer wieder an den Nähten aufrissen. Der Schneider Jacob Davis hatte die Idee, die Nähte durch Nieten zu verstärken, zusammen mit Levi Strauss patentierten sie die Nietenjeans. Die Levi´s entwickelten sich zu beliebtesten Hosen jener Zeit, ab ca. 1880 begann man den Stoff mit Indigo blau zu färben. Noch heute ist Levi´s das größte Jeansunternehmen weltweit.
1948 schwappte der Jeanstrend nach Europa, die „L. Hermann Kleiderfabrik” in Künzelsau produzierte als erster Betrieb der „alten Welt” die Hosen nach amerikanischem Vorbild für den europäischen Markt. 10 Jahre später benannte sich die L. Herrmann Kleiderfabrik in „Mustang” um – die Mustang Jeans ist somit die älteste europäische Jeansmarke.
In den 1990er Jahren verschwanden enge Röhrenjeans nach und nach aus der Öffentlichkeit und vom Markt. Der Modetrend ging stattdessen zu weit geschnittenen Modellen unter Bezeichnungen wie „Baggy” oder „Skater Jeans”. Letztere sollen ihren Ursprung bei Jugendlichen haben, die beim Fahren mit Skateboards oder Inlineskates die notwendigen Schutzpolster unter der Kleidung tragen wollten. Eine andere Entstehungslegende der sackartigen Baggy Jeans bezieht sich auf amerikanische Straßengangs. Bei der nächtlichen Inhaftierung durch die Polizei wurden den suspekten Elementen, wie in Gefängnissen üblich, die Gürtel abgenommen. An den daher herunterhängenden Hosen hätten dann andere Jugendliche erkannt, dass einer tatsächlich in Gewahrsam war, also als „harter Junge” gelten konnte. Durch nicht wieder Einziehen der Gürtel sollte dieser Eindruck am nächsten Tag beibehalten werden – man wollte einfach „gefährlich” wirken.
Heute haben sich die Jeanstrends liberalisiert und die verschiedenen Schnitte und Passformen leben in friedlicher Koexistenz nebeneinander. Sicher sind gewisse Strömungen zu der einen oder anderen Form zu erkennen, dennoch sind die klassischen Schnitte nie aus der Mode und gut sitzende Passformen nach wie vor beliebter als das unglückliche Nachahmen eines Trends, der einfach nicht zur eigenen Figur und Größe passen will.
Mittlerweile scheint es aber für jede Figur und jede Körperform einen eigenen Schnitt zu geben, die Vielfalt ist geradezu bombastisch – den Überblick behält man an leichtesten mit dem ultimativen PAparazzi-Jeansguide!